Oft ist es so, dass wir Vögel hören, aber nicht sehen. Oder wir sehen sie, aber sie sind weit weg. Wenn wir dann versuchen, die Vögel zu fotografieren, wird es schwierig. In den Bildern oben waren immer auch Vögel zu hören. Aber selbst die Amsel auf dem dritten Bild in der ersten Reihe, die ja relativ groß ist und gerne von einem erhöhten Sitzplatz aus singt, verschwindet geradezu in der Landschaft. Vogelgesang ist daher oft der Klang einer Landschaft. Mir geht es so, dass wenn ich die Bilder oben sehe, die ich selbst fotografiert habe, genau weiß, dass hier Vögel gesungen haben und wie es sich angehört hat. Manche Vogelbeobachter*innen verwenden sprachliche Bilder von Pflanzen, um Vogelgesang zu beschreiben. Oder sie erzählen davon, wie sich Vogelgesang und Pflanzen gleichzeitig entwickeln. Das ist vor allem im Frühling der Fall, wenn die Zugvögel aus ihren Wintergebieten zurückkehren und ihre Brutgesänge anstimmen und wenn, beispielsweise Bäume und Sträucher erste Knospen bilden. Viele sagen, dass Frühling und Vogelgesang untrennbar zusammengehören. Ein Frühling ohne Vogellieder ist dann gar kein richtiger Frühling. Vielleicht ist deshalb Rachel Carsons Buch „Stummer Frühling“ sofort verständlich als Horrorszenario. Ein stummer Frühling steht für eine tote Natur den Carson als Folge eines fatalen Umgangs mit der Umwelt beschreibt.